In Zwickau wurde der Gedenkbaum für NSU-Mordopfer Enver Şimşek abgesägt

Enver Şimşek zog 1985 von der Türkei nach Deutschland, arbeitete anfangs in einer Fabrik, ehe er sich mit einem Blumenhandel selbständig machte, aus dem im Laufe der Jahre ein Blumengroßhandel mit Läden und Geschäftsständen wurde.

Şimşek war 38 Jahre alt, verheiratet und zweifacher Vater, als er am Samstag, den 9. September 2000, nach einer Warenauslieferung in Nürnberg vertretungsweise den Verkauf an einem Blumenstand entlang einer Straße auf dem Gelände des ehemaligen NS-Reichsparteitags im Stadtteil Langwasser übernahm. Dort wurde er am Nachmittag des 9. September von den gebürtigen Jenaern Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos, die gemeinsam mit der Jenaerin Beate Zschäpe die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ gegründet hatten, mit insgesamt acht Schüssen aus zwei Waffen regelrecht hingerichtet.

„NSU“-Mordopfer Enver Şimşek

Enver Şimşek war nicht sofort tot, sondern erlag zwei Tage später, ohne das Bewusstsien wiedererlangt zu haben, seinen schweren Verletzungen. Er war das erste Opfer der „NSU“-Mordserie. Beate Zschäpe wurde im letzten Jahr als Mittäterin der Ermordung von zehn Menschen und anderer Taten vom Oberlandesgericht München zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte die zudem bei ihr die besondere Schwere der Schuld fest.*

In Zwickau wurde nun die unter großer Anteilnahme der Bevölkerung am 8. September 2019 im Schwanenteichpark gepflanzte deutsche Eiche abgesägt. Neun weitere Bäume, jeweils für ein anderes Mordopfer des „NSU“ sollten der Eiche folgen. Ermittelt wird gegen Unbekannt.

Die Zwickauer Oberbürgermeisterin Pia Findeiß zeigte sich schockiert und sprach davon, dass das Absägen des Baumes von Intoleranz, mangelndem Demokratieverständnis und von Verachtung gegenüber Terroropfern und deren Angehörigen zeuge. Findeis erklärte auch, die Tat zeige, dass manche Menschen leider nicht begriffen hätten, welch menschenverachtenden Taten die Terroristen des NSU begangen hätten.

Tafel mit den Namen der Todesopfer des NSU-Terrors. – Foto © MediaPool Jena

In Jena-Winzerla soll im kommenden Jahr ein Platz nach Enver Şimşek benannt werden. Zu fordern ist weiterhin – mit den Familien und Angehörigen der Opfer – 1.) die vollständige Aufklärung der Taten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ und deren Hintergründe, 2.) eine Gedenktafel mit den Namen der Mordopfer an einem geeigneten Ort in unserer Stadt.

* = Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig!

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