„Deutschland ist ein gespaltenes Land. Ein Teil von ihm sind wir.“ – Wie ich Kurt Tucholskys Doktorarbeit fand

„Deutschland ist ein gespaltenes Land. Ein Teil von ihm sind wir. Und in allen Gegensätzen steht – unerschütterlich, ohne Fahne, ohne Leierkasten, ohne Sentimentalität und ohne gezücktes Schwert – die stille Liebe zu unserer Heimat.“ (aus „Heimat“ von Kurt Tucholsky, 1929)

Der 1890 geborene und 1935 verstorbene jüdische Satiriker Kurt Tucholsky gehörte zu den wichtigsten Schriftstellern und Feuilletonisten der Weimarer Republik. Auch ein Jahrhundert später wird sein Werk noch immer von den Menschen gelesen und geschätzt. In seinem Märchen „Die verzauberte Prinzessin“ aus dem Jahre 1920 wird der Prinz herablassend gefragt: „Haben Sie nicht in Jena studiert?“ – „Ich war so frei“, antwortet dieser. Darauf der Kommentar: „Nun, nun, das ist weiter keine Schande, es kann jedem ­passieren.“

Kurt Tucholsky im Jahre 1913

Eines zumindest haben der erfundene Prinz und Tucholsky gemeinsam: Wie sein Protagonist hatte auch der begnadete Satiriker, Schriftsteller und Dichter an der Jenaer Hochschule studiert – zumindest aus der Ferne – und hier, nach einigen Rückwürfen zwar aber immerhin, seinen Doktortitel erwerben können. Er war Doktor der Juristerei.

Soviel wusste ich aus den verschiedenen Biografien über ihn, als ich im Dezember 2005 den Sänger Heinz Rudolf Kunze dazu bringen konnte, gemeinsam mit mir in der Aula der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) zum 70. Todestag eine musikalische Lesung zu veranstalten. Im Gegenzug bat mich Kunze, im Archiv der FSU zu forschen, ob dort noch Kurt Tucholskys Doktorarbeit zu finden ist. Ich versprach es ihm und wunderte mich, dass in Jena zwar jeder Literat und Gelehrte, der irgend eine Verbindung zu unserer Stadt hat, zumindest in Form einer Gedenktafel gewürdigt wird, manchmal auch in einem Straßennamen – Kurt Tucholsky jedoch nicht.

Heinz Rudolf Kunze liest Kurt Tucholsky. – Foto © Claus Rose 2005

Im Sommer 2008 wurde Dr. Rüdiger Stutz Stadthistoriker in Jena und da sein Arbeitsplatz nicht weit weg von meinem lag, freundeten wir uns an und ich berichtete Stutz, wie schwierig es für einen „Nicht-Studierten vom Fach“ ist, im Archiv der juristischen Fakultät der Jenaer Universität forschen zu dürfen. Er machte sich stark für mich – wofür ich ihm bis heute dankbar bin – und ein Jahr später begann meine Suche, die Ende 2010 schließlich von Erfolg gekrönt wurde.

Rainer Sauer präsentiert die Promotionsurkunde von Dr. Kurt Tucholsky

Das Projekt „Dr. Kurt Tucholsky in Jena“ war für mich eine Spurensuche, die Freude bereitet hat und mit der Entdeckung des Inhalts der Promotionsakte (hier besonders der direkten Einbindung Prof. Dr. Eduard Rosenthals in Tucholskys Privatleben) Überraschendes zu Tage brachte. Mein Dank geht deshalb auch an das Universitätsarchiv der FSU unter der Leitung von PD Dr. Joachim Bauer und hier insbesondere an Frau Margit Hartleb für die freundliche Unterstützung meiner Spurensuche.

HIER, DA, DORT und AN DIESER STELLE können Sie sie noch einmal nachverfolgen.

Ihr

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s