„Traumzaubermensch“: Wie ich Reinhard Lakomy kennenlernen durfte (der heute vor sechs Jahren verstarb)

Reinhard Lakomy war einer der vielseitigsten Künstler in der DDR, war Universalmusiker, Sänger, Film- und Musicalkomponist („Traumzauberbaum“), der auch in der BRD erfolgreich war. Am 23. März 2013 starb er im Alter von 67 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung, die erst kurz zuvor bei ihm entdeckt worden war.

Rainer Sauer im Radio Jena Studio bei den MDR Dreharbeiten vom Januar 2014

Mehr als 40 Jahre hatte Lacky, wie man ihn liebevoll nannte, die Menschen mit seiner Musik begeistert, war vor allem zu DDR-Zeiten ein Star: in Magdeburg geboren komponierte er Schlager ebenso wie anspruchsvolle Elektronische Musik und besaß als Einziger in der gesamten DDR einen großen MOOG Modular Synthesizer. Als Jazzer gehörte Lakomy zu den Mitbegründern des Günther Fischer Quartetts; der Durchbruch gelang ihm 1972 mit dem Sprechgesang „Heute bin ich allein“.

In seiner TV-Sendereihe „Lebensläufe“ ließ der MDR vor fünf Jahren das künstlerische Leben Reinhard Lakomys Revue passieren und das hat auch ein klein wenig mit unserer Stadt zu tun. Unter anderem komponierte Lacky für das Jenaer Planetarium das Musical „Undendlich und Eins“ und ich war mit ihm befreundet, nicht erst seit ich mit ihm 1999 die Radiosendung „Im Gespräch mit Reinhard Lakomy“ produzierte, in der er über sein Leben erzählte und die später vom MDR Fernsehen teilweise als O-Ton übernommen wurde, weil die nichts Besseres hatten.

Lacky durfte ich 1982 auf der Frankfurter Musikmesse kennenlernen, wo er mir enthusiastisch die elektronischen Musikinstrumente des volkseigenen Außenhandelsbetriebs DEMUSA präsentierte – nicht ohne ironische Hinweis auf die eingeschränkten Möglichkeiten der Musikgeräte-Entwicklung in der DDR im Vergleich zu den Errungenschaften des nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiets (NSW). Er selbst hatte seinerzeit den ersten digitalen Computer-Sequenzer der DDR für Synthesizer entwickelt.

Später spielte ich seine Electronics-Platten im West-Radio und als er nach der Wende in Jena auftrat freundeten wir uns an. Sein überraschend schneller Tod schmerzte sehr. „Einen langen Moment war ich sicher, das sei nicht wieder gutzumachen – er dauert noch an.“ dichtete einst Wortakrobat Heinz Rudolf Kunze und genau so war es.

Lacky auf dem Cover seiner Biografie „Es war doch nicht das letzte Mal. Erinnerungen“ aus dem Jahre 2000, erschienen im Verlag „Das Neue Berlin“

Da er viel engere Freunde und Wegstreckenbegleiter hatte als mich, überraschte es mich doch sehr, als mich MDR-Info an seinem Todestag Jahr bat, im Radio einen Nachruf auf Lacky zu sprechen. Ich sagte denen, dass es da ganz andere Leute gibt, die viel prädestinierter dafür sind, als ich, Angelika Mann zum Beispiel, mit der er so viel gemeinsam gemacht hat. Aber man sagte mir, dass alle, die man angesprochen hätte, so geschockt vom plötzlichen Tode Lakomys seien, dass sie nicht zur Verfügung stünden. Also habe ich das dann gemacht, auch wenn ich innerlich genauso aufgewühlt war wie all die anderen.

In der TV-Sendung kam ich dann neben Lebensgefährten und Freunden, wie seiner Texterin und Ehefrau Monika Ehrhardt-Lakomy, Gregor Gysi, Klaus Lenz und der „Lütten“ Angelika Mann auch zu Wort und gab über „Das geheime Leben“ von Reinhard Lakomy Auskunft – so hieß jedenfalls seinerzeit Lackys erste und bekannteste AMIGA Electronics-Platte.

Ihr Rainer Sauer

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